Hauptsache viel Papier

In einer Haftsache habe ich einem rumänischen Mandanten an einem Wochenende bei der Haftbefehlsverkündung beigestanden und wurde als Pflichtverteidiger beigeordnet. Rund 4 Stunden durften wir uns aufgrund der unübertroffen schlechten Dolmetscherin um die Ohren hauen.

Die Familie des Mandanten beauftrage einige Tage später zwei Anwälte aus einer Kanzlei mit der Verteidigung meines Mandanten sowie des Mitbeschuldigten. In der Zwischenzeit war ich auch für den Mandanten weiter tätig.

Nun bekam ich vom Gericht ein Fax, dem ein Schreiben von einem der beiden Kollegen beigefügt war und der darin erklärte, dass das Mandat als Wahlmandat fortgeführt werden wird. Das bedeutet, dass die Beiordnung des Pflichtverteidigers zurückzunehmen ist. Das Gericht bat mich um Stellungnahme innerhalb von 2 Tagen. Seltsam war nur, dass das Schreiben des Kollegen überhaupt nicht meinen Mandanten, sondern den Mitangeklagten betraf. Da aber beide Kollegen in einer Kanzlei sind, ging ich einfach von einem Fehler bei Gericht aus. Was ja mal vorkommen kann. Ich kenne die beiden Kollegen und komme gut mit ihnen hin. Deshalb habe ich dem Gericht zurückgeschrieben, dass hier wohl ein Fehler vorliegt, da das Schreiben nicht meinen Mandanten, sondern den Mitangeklagten betrifft, dass ich aber mit einer Rücknahme der Beiordung einverstanden bin, falls auch ein entsprechendes Schreiben betreffend meinen Mandanten vorliegt.

Das war offensichtlich ein Fehler.

Denn zuerst bekam ich noch einmal ein Fax, diesmal mit einem Schreiben betreffend meinen Mandanten. Dann kam dieses Anschrieben noch einmal per Post. Und heute wollte ich mich schon schreiend aus dem Fenster stürzen, als das erste (falsche) Schreiben auch noch einmal per Post kam.

Wenigstens weiß ich, wo meine Steuern hin verschwinden. In Papier und Arbeitskraft von Justizbeschäftigten die alles doppelt und dreifach immer wieder schicken.

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