Unterschiedliche Sichtweisen

Als Anwalt merkt man recht schnell, dass man als Jurist viele Dinge anders sieht und bewertet als Nicht-Juristen. Als Junganwalt redet man auch gerne mal mit der Mandantschaft  aneinander vorbei, weil man nicht merkt, dass die Mandanten ganz andere Schwerpunkte setzen, weil ihnen ganz einfach andere Dinge wichtig erscheinen als dem Anwalt. Optimalerweise gewöhnt man sich daran aber.

Aber auch nach fast 10 Jahren wundere ich mich manchmal, was Mandanten wichtig und dringend erscheint, während sie die wirklich wichtigen Sachen völlig vernachlässigen.

So kam zum Beispiel kürzlich eine Neumandantin mit der Ansage, es ginge um eine ungerechtfertigte Rechnung eines Kollegen. Darum ging es dann auch. Am Rande. Der Kollege hatte eine Rechnung gestellt, weil er die Mandantin vertreten hatte. Die Mandantin war der Meinung, sie habe den Anwalt nie beauftragt. Es ging um 120 Euro. Dass die vermeintliche Beauftragung wegen eines Ermittlungsverfahrens wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln erfolgt war und das Verfahren noch immer lief, erwähnte sie nur nebenbei.

Oder der Neumandant, der heute vorbei kam. Er hat ein Schreiben vom Amtsgericht bekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, seine Bewährung zu widerrufen. Das Amtsgericht will die Entscheidung darüber zurückstellen, bis in dem gegen ihn laufenden Strafverfahren wegen Handeltreibens mit BtM eine Entscheidung erfolgt ist. Die Hausdurchsuchung vor 8 Monaten hatte ihm offensichtlich nicht genügend Sorgen bereitet, einen Anwalt aufzusuchen. Aber die Mitteilung, dass die Entscheidung über den Bewährungswiderruf zurückgestellt wird, schon.

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