Technik in der JVA

In die meisten Justizvollzugsanstalten darf man mittlerweile – relativ – unproblematisch seinen Laptop oder seinen iPad mitnehmen. Das macht auch Sinn, da mehr und mehr Rechtsanwälte die Ermittlungsakten nur noch elektronisch zur Verfügung haben und nicht mehr auf Papier Kopien anfertigen.

Die JVA Saarbrücken hat das Computerproblem anders gelöst. Vor einiger Zeit wurden dort in einigen Anwaltssprechzimmern PCs installiert. Aus mir unerfindlichen Gründen wurden Rechner und Monitore in Holzkästen mit Türen und Schlössern gepackt. Benötigt man als Anwalt einen PC, müssen diese Kästen von einem Beamten aufgeschlossen werden.

Somit kommen wir schon zu Problem Nummer 1. Die Tür des Monitor-Kastens klappt permanent wieder zu. Man braucht also etwas um die Tür einzuklemmen. Nimmt man aber einen Gegenstand, der zu groß ist, wie z. B. eine Akte, hat man keinen Platz mehr für die Tastatur, deren Kabel recht kurz ist.

Problem Nummer 2 ist, dass die Rechner uralt sind und dementsprechend langsam. Da die PCs natürlich nicht mit dem Internet verbunden sind, ist das mit den Updates auch so eine Sache. Manche Dateien öffnen sich überhaupt nicht und wenn, dann dauert es gefühlte Jahre.

Problem Nummer 3. Die Tastatur. Billig, seltsamer Anschlag, kann man kaum drauf tippen.

Dass Verteidiger rumnörgeln ist ja normal und vielleicht auch dem Beruf geschuldet. ich für meinen Teil hätte auch lieber meine eigene Hardware dabei. Und der Einwand der JVA, man könne ja Videobotschaften schmuggeln, leuchtet mir auch nicht ein.

Gestern aber saß ich 2 Stunden bei einer polizeilichen Vernehmung in der JVA. Und die Beamtin hatte sich nicht ihren eigenen Laptop mitgebracht, sondern hat den Anstalts-PC benutzt. Und, was soll ich sagen, sie kam überhaupt nicht damit klar. Ihre vorbereiteten Daten ließen sich nicht öffnen, auf der Tastatur hat sie sich dauernd vertippt und überhaupt ging alles schrecklich langsam.

Ich bin froh, dass nicht nur Verteidiger mit den Rechnern Probleme haben. Aber es soll sich etwas ändern, habe ich gehört. Ich hoffe es.

3 Comments

  1. Bild-Leser

    Wie, den JVAs sollen wir noch Geld für neue Computer in den Hintern blasen?

    Dann doch lieber noch hundert Kitas bauen!

  2. Heiko

    Auf sowas würde ich mich nicht einlassen!
    Nicht nur aus Datenschutzrechtlichen Gründen halte ich das Vorgehen für nicht tragbar! die Anstaltsleitung lehnt sich da sehr weit aus dem Fenster und die Anwälte meines erachtens auch.

    Wer sagt Ihnen, daß nicht die netten Herren nicht über einen zweiten Bildschirm ihre Daten mitlesen. Wer schützt Ihre Daten vor Kopie, Löschung, Veränderung über eine Schadsoftware?

    Woher wissen Sie das (auch wenn der PC alt ist) nicht alle mögliche Schadsoftware darauf enthalten ist?Wenn Sie dort sich einen Virus einfangen und Ihr gesamtes System im Büro damit infizieren?

    Ein Computeraffiner Anwalt/Anstaltsmitarbeiter/Staatsanwalt wo den PC nach Ihnen benutzt kann mal einfach so den PC nach gelöschten Dateinen durchforsten und alles lesen was so die Vorbenutzer alles so darauf gelesen haben…

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