Oft ist es von Vorteil, wenn sich Verfahren lange hinziehen. Für die Betroffenen ist es natürlich belastend, lange Zeit mit der Ungewissheit zu leben, was nun am Ende rauskommt. Manchmal führt eine lange Verfahrensdauer aber zu überraschend guten Ergebnissen.

Vor 1,5 Jahren sah es für den Mandanten nicht gut aus. 18 Vorstrafen, eine laufende Bewährung und zwei neue Verurteilungen, jeweils nicht allzu kurze Haftstrafen ohne Bewährung.

In der Berufungsverhandlung sah es zunächst nicht besser aus. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten Berufung eingelegt und das Gericht riet zur beiderseitigen Berufungsrücknahme. Das hätte bedeutet, dass es bei den erstinstanzlichen Urteilen bleiben würde. Da das weder der Mandant noch die Staatsanwaltschaft wollten, wurde das Verfahren ausgesetzt, damit der Mandant begutachtet werden konnte. Da er langjähriger Alkoholiker war, sollte er im Hinblick auf seine Schuldfähigkeit sowie auf die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt begutachtet werden. Dann passierte aber erstmal über ein Jahr lang nichts. Bis die Akte wieder auftauchte, der Mandant gegutachtet und die Sache neu terminiert wurde.

Der Mandant hatte die Zeit genutzt um eine ambulante Therapie zu machen. Er hatte einen festen Job und war seit über einem Jahr trocken. Der Therapeut berichtete, dass es nur bei ganz wenigen Abhängigen so gut funktioniert wie bei meinem Mandanten und die Gutachterin kam zu dem Schluss, dass die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nicht mehr nötig sei.

Es kam wie es kommen musste, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Natürlich unter der Auflage trocken zu bleiben und die Therapie fortzuführen.

Im ersten Anlauf wäre dieses Ergebnis absolut nicht möglich gewesen.