Diese Woche hat sich der Vorsitzende einer Jugendkammer ein wenig, sagen wir mal unbeholfen, benommen.

Ein Mitangeklagter saß seit 6 Monaten in Untersuchungshaft. Während dieser Zeit war sein erstes Kind geboren worden und er hatte bisher lediglich ein Bild von dem Kind gesehen. Da er sich etwas ungeschickt im Verfahren verhalten hat, wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden konnte und er muss nun mindestens weitere 6 Monate in Haft bleiben, bis er eine Drogentherapie machen kann nach der dann der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

Jedenfalls sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung, dass er es sich schließlich selbst zuzuschreiben habe, dass er bei der Geburt des ersten Kindes nicht dabei sein konnte. Dann wollte er offensichtlich noch ein paar aufmunternde Worte sagen, was aus Sicht des Mitangeklagten, der sich darüber aufregte, nicht so ganz gelang.

Der Vorsitzende sagte nämlich, dass es nicht so schlimm sei, wenn er jetzt nicht bei seinem Kind sein kann, denn Kinder könnten sich an die ersten drei Lebensjahre sowieso nicht erinnern. Außerdem würden Babys die ersten Monate eh nur bei der Mutter an der Brust hängen und schlafen und die meisten Väter wären froh, wenn sie während dieser Zeit nicht so viel zu hause wären.

Ich weiß, was er damit sagen wollte, aber so richtig gut rüber gekommen ist es nicht.