Mein Mandant soll jemanden geschlagen haben. Es soll wohl eine Ohrfeige gewesen sein. Der Mandant weiß es nicht, er kann sich an nichts erinnern. Nachdem ihm die Geschichte zu Ohren gekommen ist, hat er denjenigen angerufen und sich nach dem Befinden erkundigt und sich entschuldigt. Er wisse nicht was los gewesen sei, könne  sich an nichts erinnern, wenn er ihn geschlagen habe, tue es ihm aber leid. Der Geschädigte hatte keine Verletzungen, aber nach eigener Aussage ein paar Tage Kopfschmerzen.

Irgendwann kommt ein Schreiben vom Anwalt,  Schmerzensgeld vorbehaltlich weiterer Schäden  plus Anwaltskosten fordert. Konkrete Verletzungen werden auch nicht von dem Kollegen vorgetragen.

 

Ich schreiben den Kollegen an und biete einen Schmerzensgeldbetrag an, wenn erklärt wird, dass damit alles abgegolten ist.

Heute kam die Antwort.

 

„Sollte nicht bis spätestens zum 02.10.2015, 12 Uhr, eine Regulierungszahlung in Höhe von…auf unserem RA-Geschäftskonto eingegangen sein, ergeht unverzüglich Strafanzeige nebst Strafantrag sowie weiterer Antrag auf Zulassung der Nebenklage!

Wir werden im außergerichtlichen Verfahren gegenüber Ihnen oder Ihrem Mandanten keine weiteren Schriftsätze vornehmen. Sollte sich die Sache für Ihren Mandanten durch Zahlung in Höhe von zzgl. Anwaltskosten erledigen, bleiben insbesondere Ihrem Mandanten erhebliche Kosten erspart. Bei weiteren erhöhten Kosten droht Ihnen die Anwaltshaftung durch Ihren Mandanten!“

 

Eine Gutachterin hat mir mal was zu Kollegen, die alles unterstreichen, fett und mit Ausrufezeichen versehen erzählt…

Ich bezweifele auch, dass wegen einer Ohrfeige bei einem bisher noch nie strafrechtlich in Erscheinung getretenen Mandanten etwas anderes als Einstellung in Betracht kommt. Und das mit der Anwaltshaftung sollte mir der Kollege auch mal noch erklären. Ach so, geht ja nicht, er schreibt mir ja nicht mehr…