So ziemlich jeder Strafverteidiger hat Mandanten, die eine große Anzahl an Mandaten fabrizieren. Meistens handelt es sich um Mandanten aus der BtM-Szene. Irgendwie müssen die Drogen finanziert werden. Auf legalem Wege geschieht das selten. Spätestens, wenn der Job aufgrund der Sucht weg ist, wird der Konsum entweder mit Drogenhandel oder mit Diebstählen/Einbrüchen finanziert. Meistens schlagen die Mandanten die nächstbesten Autoscheiben ein und klauen Navis oder es werden im Supermarkt Schnaps, Parfüm oder Rasierklingen mitgenommen…ohne zu bezahlen, versteht sich. Das Diebesgut wird dann in irgendwelchen An- und Verkaufläden versetzt, für ein paar Euro.

Und weil die Drogen nicht billig sind, wird viel geklaut und das auch meistens an unterschiedlichen Orten, damit es nicht so auffällt. Dann schwirren zunächst bei diversen Polizeiinspektionen und später bei der Staatsanwaltschaft jede Menge Verfahren herum über die kein Mensch den Überblick behält. Es sind unterschiedliche Staatsanwälte zuständig und angeklagt wird auch wieder an unterschiedlichen Gerichten.

Als Anwalt hat man dann das Problem, dass man irgendwie den Überblick behalten soll, was quasi unmöglich ist. Die Mandanten haben den Überblick meistens auch schon vor langer Zeit verloren. Auch wenn man Anfragen bei der Zentraldatei der Staatsanwaltschaft macht, ist nicht gewährleistet, dass man wirklich über alle aktuelle Verfahren Auskunft bekommt. Die Verfahren, die durchflutschen, werden dann irgendwo angeklagt. Dem Mandanten, der seine Post sowieso nicht öffnet, wird irgend ein Pflichtverteidiger beigeordnet, der keine Ahnung hat, dass es noch hundert weitere Verfahren gibt. Und dann geht der Spaß los mit der Gesamtstrafenbildung.

Heute habe ich Post von einem Amtsgericht bekommen und mich gefreut, dass der Richter mitgedacht hat. Das Gericht hat mir eine Anklage betreffend einen Mandanten zugestellt, mit dem ich schon ein Verfahren bei diesem Gericht habe. Die Akte habe ich auch gleich mitgeschickt bekommen. Und der Richter hat vorgeschlagen, dass man diese Sache gleich mitterminieren könnte, an dem Tag, an dem die andere Sache verhandelt werden soll. Das spart Zeit und Geld und freut sicherlich alle Beteiligten. Leider kommt das zu selten vor, dass jemand soweit mitdenkt.