Blog

Boxershort-Klassifizierung

Ich bin froh, dass ich einen Beruf habe, in dem man ständig etwas Neues lernt. Heute zum Beispiel habe ich aus einer Ermittlungsakte gelernt, dass es eine Boxershort-Klassifizierung gibt. Das schreibt jedenfalls die Polizei:

 

„Im Rahmen der Durchsuchung/Der Müller zog sich selbständig aus) der Person, wurde ein „Ü-Ei“ festgestellt, welches aus der noch angelegten Unterhose (Boxershort-Klassifizierung) herausfiel.“

Baumschule

Offensichtlich meint Juris, das ist eine bekannte juristische Datenbank, dass ich meinen Abschluss auf der Baumschule gemacht habe. Oder, dass ich eine Baumschule betreibe. Warum sollten die mich sonst so anschreiben:

 

Kanzlei Thomas Will

Lortzingstraße 12

66111 Baumschule

 

Und das Beste ist, die Post kommt mit dieser Adresse sogar an.

Gewählt ausgedrückt

Manchmal werde ich den Eindruck nicht los, dass manche Polizeibeamte bewusst versuchen, sich besonders gewählt auszudrücken. Und oft wirkt es völlig daneben.

Aus einer Ermittlungsakte wegen einem unerlaubten Entfernen vom Unfallort:

 

„Herr Müller wurde im Rahmen der Verkehrsunfallaufnahme auf die Veranlassung der Fertigung eines Schadensgutachtens sensibilisiert. Er wollte dies an hiesige Dienststelle steuern.“

 

 

Zurück in die Zukunft?

unser-saarbruecken.de kann scheinbar in die Zukunft reisen. Oder hat eine Glaskugel. Oder meldet Sachen, die so nicht stimmen.

Mich jedenfalls hat es erstaunt, dass der „Burbacher Feuer-Killer“ heute vor dem Landgericht gestanden hat. Denn die Verhandlung beginnt erst morgen.

Prozess „Aktionsbüro Mittelrhein“ nach fast 5 Jahren geplatzt

Seit dem 20.08.2017 lief am OLG Koblenz ein Verfahren gegen 26 angebliche Mitglieder des „Aktionsbüros Mittelrhein“.

Das Verfahren erstreckte sich gegen zu Beginn 26 Angeklagte mit 52 Verteidigern.337 Verhandlungstage lang.

Nun ist das Verfahren vorläufig geplatzt, wie unter anderem die Kollegin Kerstin Rueber-Unkelbach, der Kollege Udo Vetter und diverse Medien wie z.B. die Taz berichten.

Der Grund: Ende Juni scheidet der Vorsitzende Richter aus dem Dienst aus und es sei nicht damit zu rechnen, dass das Verfahren bis dahin beendet werden könne.

Ich bin gespannt, wie es nun weiter geht.

Verwaist

In letzter Zeit habe ich den Blog ein wenig stiefmütterlich behandelt. Einfach aus dem Grund, dass zu viel zu tun war und ich schlichtweg kaum zum Schreiben gekommen bin.

Ich gelobe aber Besserung und versuche wieder mindestens ein bis zweimal pro Woche einen Beitrag zu schreiben, auch wenn der Terminkalender in nächster Zeit voll ist.

Nur mal reden

Den Anrufer der Woche hatte ich vor zwei Tagen. Eigentlich ist es der Top-Anrufer in 11 Jahren als Anwalt überhaupt. Als ich morgens aufstand, sah ich, dass nachts gegen ein Uhr jemand angerufen und auf die Mailbox gesprochen hatte. Als ich mir anhörte, was der Anrufer hinterlassen hatte, war ich dann doch sprachlos.

Denn der Anrufer erklärte wortreich, dass er nicht schlafen könne und deshalb mit jemandem habe reden wollen. Ein strafrechtliches Problem, nein, das habe er nicht. Er könne halt eben nicht schlafen und wolle ein bißchen quatschen. Nach einigen Minuten verabschiedete er sich ganz höflich und versprach, sich wieder zu melden. Das tat er Gott sei Dank nicht. Leider war die Nummer unterdrückt, sonst wäre ich vielleicht doch in Versuchung geraten, zurückzurufen.

Drogen am Amtsgericht

Ein echtes Glanzstück hat sich eine Mandantin geleistet, die diese Woche mit einer Anklageschrift bei mir war. Sie war mit vier Ecstasy-Tabletten erwischt worden. Das ist schon blöd genug, wenn man mehrfach wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt wurde und noch blöder, wenn man unter laufender Bewährung steht. Dann wird solch eine Geschichte nicht eingestellt, sondern wie hier, angeklagt.

Ganz dumm gelaufen ist es allerdings, wenn man mit diesen Tabletten nicht irgendwo, sondern an der Zugangskontrolle beim Amtsgericht erwischt wird, weil man sich einen Beratungshilfeschein holen will.

Wenigstens haben die Zeugen, hier die Wachtmeister, keine weite Anreise zum Termin.

Ist telefonieren wirklich so schwer?

In einer Sache am Familiengericht, in der bereits zwei Termine stattgefunden haben, bestimmte das Gericht einen neuen ermin auf einen Tag, an dem ich bereits ganztägig am Landgericht bin. Also beantragte ich die Verlegung des Termins mit dem Hinweis, dass doch bitte der nächste Termin telefonisch mit meinem Büro abgestimmt erden sollte, da in dem Zeitraum eine Menge Gerichtstermine, viele davon ganztägig oder auswärts, anliegen.

Es wurde ein neuer Termin bestimmt, an dem ich natürlich auch keine Zeit habe. Also wieder Verlegungsantrag, wieder mit der Bitte um telefonische Absprache. Wieder wurde ohne Absprache neu bestimmt. Und wieder auf einen Tag, an dem ich nicht kann. Und die Ladung enthält den Hinweis, dass dieser Termin nicht nochmals verlegt werden wird.

Kann man nicht einfach mal anrufen? Offensichtlich nicht. Gott sei Dank halten es die meisten Richter anders und rufen meistens an.

Ich hätte ja am Familiengericht angerufen und mich selbst telefonisch um Terminsabstimmung bemüht, wenn man dort irgendwann mal jemanden erreichen würde…

Unbekannt verzogen

Diese Woche musste ich feststellen, wie einfach es offensichtlich ist, einer Verhaftung durch die Polizei zu entziehen.

Ein Angeklagter erschien nicht zum letzten Verhandlungstermin. Also wurde seine polizeiliche Vorführung durch die Polizei zum nächsten Termin angeordnet. Die Polizei fuhr auch brav zur Wohnung des Angeklagten. Da aber am Briefkasten ein Schild „verzogen“ hing, fuhren die Beamten wieder weg. Und wenn das auf dem Schild steht, wird es schon stimmen und man muss das als Polizei nicht überprüfen.

So einfach ist das offensichtlich, wenn man nicht verhaftet werden will.